Wie verläuft eine COVID-19-Infektion bei Kindern, sind sie nach einem milden Verlauf geschützt und welche Rolle spielen sie im Pandemiegeschehen als Erkrankte, Infektionsherde und -verstärker? Diese zentralen Fragen haben Wissenschaftler*innen der Universitätsklinika in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm in der vom Land Baden-Württemberg initiierten und finanzierten COVID-19-Kinder-Studie untersucht. Sie zeigten, dass Kinder sich innerhalb der Familien deutlich seltener ansteckten als Erwachsene und der Verlauf meist deutlich milder war. Gleichzeitig war die Immunantwort bei Kindern im Schnitt stärker und hielt länger an als bei Erwachsenen, unabhängig davon, ob Symptome auftraten. Die Ergebnisse sind am 23. Juli 2021 als Preprint veröffentlicht worden.
Weniger Symptome, besserer Immunschutz
Für die Studie wurden 328 Familien mit mindestens einem an COVID-19 erkrankten Mitglied mehrfach untersucht. Insgesamt nahmen 548 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren und 717 Erwachsene teil. In Familien mit einer infizierten Person steckten sich Kinder (34 Prozent) deutlich seltener an als Erwachsene (58 Prozent) und waren – im Fall einer Infektion – fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen (Erwachsene: 9 Prozent, Kinder: 45 Prozent). Trotzdem zeigten die Kinder elf bis zwölf Monate nach der Infektion stärkere und länger anhaltende spezifische Antikörperspiegel als Erwachsene. Das galt unabhängig davon, ob Krankheitszeichen bestanden oder nicht. Die kindlichen Antikörper sind gut wirksam gegenüber verschiedenen Virusvarianten, so dass auch nicht sichtbar erkrankte Kinder nach einer Infektion geschützt sein sollten. Keines der infizierten Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden.
Krankheitszeichen unterscheiden sich
Auch bei den berichteten Beschwerden unterschieden sich Erwachsene und Kinder. Während bei Erwachsenen Fieber, Husten, Durchfall und Geschmacksstörungen gleichermaßen ein guter Hinweis auf eine Infektion waren, waren bei Kindern nur Geschmacksstörungen ein deutlicher Hinweis auf eine COVID-19-Infektion (in 87 Prozent). Husten und Fieber waren erst mit steigendem Alter ab etwa zwölf Jahren ein Hinweis auf eine Infektion.
Zusammengefasst zeigt sich: Von COVID-19 genesene Kinder entwickeln trotz eines oft sehr milden oder sogar symptomfreien Verlaufs eine sehr wirksame und anhaltende Immunabwehr gegen neue Coronavirus-Infektionen. Es gibt Anzeichen, dass die kindliche Immunabwehr die von Erwachsenen sogar übertrifft.
Originalpublikation: Hanna Renk, Alex Dulovic, Matthias Becker, Dorit Fabricius, Maria Zernickel, Daniel Junker, Alina Seidel, Ruediger Gross, Alexander Hilger, Sebastian Bode, Linus Fritsch, Pauline Frieh, Anneke Haddad, Tessa Goerne, Jonathan Remppis, Tina Ganzenmueller, Andrea Dietz, Daniela Huzly, Hartmut Hengel, Klaus Kaier, Susanne Weber, Eva-Maria Jacobsen, Philipp Kaiser, Bjoern Traenkle, Ulrich Rothbauer, Maximilian Stich, Burkhard Toenshoff, Georg Friedrich Hoffmann, Barbara Mueller, Bernd Jahrsdoerfer, Carolin Ludwig, Hubert Schrezenmeier, Andreas Peter, Sebastian Hoerber, Thomas Iftner, Jan Muench, Thomas Stamminger, Martin Wolkewitz, Corinna Engel, Marta Rizzi, Hans-Juergen Gross, Axel Franz, Philipp Henneke, Klaus-Michael Debatin, Nicole Schneiderhan-Marra, Ales Janda, Roland Elling: Typically asymptomatic but with robust antibody formation: Childrens unique humoral immune response to SARS-CoV-2. medRxiv 2021.07.20.21260863; doi: https://doi.org/10.1101/2021.07.20.21260863
Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Freiburg 07/2021