Ein Forschungsteam aus Hannover (Institute of Cell Biochemistry, Hannover Medical School) hat einen bislang unbekannten molekularen Mechanismus entdeckt, der Entzündungen mit der Tumorentwicklung verbindet. Die Studie zeigt, wie das Tumorsuppressorprotein p53 gemeinsam mit den Signalproteinen p38 und MK2 die Produktion des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin-1β (IL-1β) reguliert.
IL-1β ist für die Immunabwehr wichtig. Wird der Botenstoff jedoch dauerhaft und unkontrolliert gebildet, kann er chronische Entzündungen fördern und zur Entstehung von Erkrankungen wie Arthritis, Diabetes, Arteriosklerose und Krebs beitragen.
Die Forschenden konnten zeigen, dass Makrophagen ohne MK2 oder dessen Aktivator p38α bereits im Ruhezustand erhöhte Mengen an IL-1β produzieren. Ursache ist die Aktivierung des normalerweise streng regulierten nicht-kanonischen NF-κB-Signalwegs. Gleichzeitig sinken die Spiegel des Tumorsuppressors p53. Die Studie belegt, dass p53 über Caspase-3 den Transkriptionsfaktor RelB abbaut und dadurch sowohl den Signalweg als auch die IL-1β-Produktion hemmt. Zudem reguliert p53 auf diesem Weg seine eigene Genexpression – ein bislang unbekannter autoregulatorischer Mechanismus.
Die Ergebnisse erklären, warum Defekte im MK2/p38-Signalweg zu einer erhöhten entzündlichen Grundaktivität führen können, und erweitern das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen chronischen Entzündungen und Krebs. Der Verlust von p53 könnte demnach nicht nur die klassische Tumorsuppression beeinträchtigen, sondern zusätzlich ein entzündungsförderndes Tumormilieu schaffen, das das Krebswachstum begünstigt. Die Erkenntnisse könnten helfen, die Wirkung neuer entzündungshemmender Therapien besser zu verstehen und neue Behandlungsstrategien an der Schnittstelle von Entzündungsforschung und Onkologie zu entwickeln.
Originalpublikation:
https://www.mdpi.com/1422-0067/27/7/3232
