Neue B-Zell-depletierende Verfahren (CAR-T-Zellen sowie T-Zell-Engager (TCE)) revolutionieren aktuell die therapeutische Landschaft im Bereich der Autoimmunerkrankungen, wobei bisher CD19 und BCMA als B-Zell-gerichtetes Antigen verwendet wurden.
Ein kürzlich in Annals of the Rheumatic Diseases publizierter Fallbericht beschreibt den weltweit erstmaligen Einsatz des CD20×CD3-bispezifischen T-Zell-Engagers Mosunetuzumab bei einer Patientin mit Autoimmunerkrankung. Die Patientin litt unter einer therapierefraktären, anti-PR3-Autoantikörper-positiven systemischen Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und retro-orbitalem Granulom. Die Patientin wies einen langjährigen steroidabhängigen Krankheitsverlauf auf, ohne ausreichendes Ansprechen auf den monoklonalen Antikörper Rituximab (RTX) und Avacopan, sowie ein Frührezidiv nach mehreren Zyklen Cyclophosphamid.
Die histopathologische Analyse des initial entnommenen orbitalen Granuloms zeigte CD20⁺-B-Zellen in enger räumlicher Assoziation zu CD3⁺-T-Zellen bei vollständigem Fehlen von CD56⁺-NK-Zellen. Dies sprach für eine eingeschränkte NK-Zell-abhängige Wirksamkeit von RTX, jedoch für ein günstiges immunologisches Milieu für T-Zell(CD3)-vermittelte Zytotoxizität.
Mosunetuzumab als Monotherapie führte zu einer anhaltenden, glukokortikoidfreien Remission. Immunologisch zeigte sich ein selektiver Abfall der PR3-Autoantikörper bei Erhalt der Gesamt-IgG-Spiegel. Das Sicherheitsprofil war exzellent, und Mosunetuzumab konnte erfolgreich ambulant infundiert werden.
Der Fall unterstreicht, dass CD20 weiterhin ein relevantes therapeutisches Ziel darstellt und dass der TCE-Mechanismus von Mosunetuzumab auch bei RTX-refraktären Erkrankungen eine wirksame und differenzierte Behandlungsoption für B-zellgetriebene Autoimmunerkrankungen sein kann.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:in
Dr. med. Wolfgang Merkt
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